Die Wahrheit ist ein pfadloses Land

Die Wahrheit ist ein pfadloses Land, sagt Krishnamurti. Das heißt im Prinzip das selbe wie: Der Weg ist das Ziel; es gibt keinen Weg zur Wahrheit – wir sind bereits angekommen. Da es im Hier und Jetzt und mit der Wahrheit über uns selbst aber nicht immer lustig ist, machen wir uns lieber schnell wieder auf und davon. Weg ist das Ziel und wir jagen ihm hinterher.


Gehen als freier Mensch

Ihr könnt Freiheit in jedem Moment eures täglichen Lebens praktizieren. Jeder Schritt, den ihr geht, kann euch helfen, eure Freiheit wiederzuerlangen. Jeder Atemzug kann euch helfen, eure Freiheit zu entwickeln und zu kultivieren. Wenn ihr eßt, eßt als ein freier Mensch. Wenn ihr geht, geht als ein freier Mensch. Wenn ihr atmet, atmet als ein freier Mensch. Dies ist überall möglich.

THICH NHAT HANH in einem Vortrag in der Strafanstalt von Maryland, USA, 2000


Bericht am Feuer

Wenn man fragt: Was ist eine Geschichte, was ist die eigene Geschichte und was die der anderen, wo beginnt eine Geschichte, und wo endet sie? Wenn man also in Geschichten denkt, klingt selbstverständlich immer die Frage mit, woher wir kommen und wohin es mit uns geht. Dann muss ich irgendwann aber auch den Kopf heben oder mich sonstwie bewegen und danach fragen, in welchen Räumen sich unsere Existenz ereignet. So werden allmählich die fernsten Weiten, selbst wenn es um Lichtjahre geht, Maßstäbe unserer Lebensrealität.

CHRISTOPH RANSMAYR Bericht am Feuer. Gespräche, E-Mails und Telefonate zum Werk von Christoph Ransmayr


Verstecke sind unzählige, Rettung nur eine, aber Möglichkeiten der Rettung wieder so viele wie Verstecke. Es gibt ein Ziel, aber keinen Weg; was wir Weg nennen, ist Zögern.

FRANZ KAFKA


Von der Fernsucht

Zu den unheimlichsten Phänomenen menschlicher Geistesgeschichte gehört das Ausweichen vor dem Konkreten. Es besteht eine auffallende Tendenz, erst auf das Fernste loszugehen und alles zu übersehen, woran man sich in nächster Nähe unaufhörlich stößt. Der Schwung der ausfahrenden Gesten, das Abenteuerlich-Kühne der Expeditionen ins Ferne täuscht über die Motive zu ihnen hinweg. Nicht selten handelt es sich einfach darum, das Nächste zu vermeiden, weil wir ihm nicht gewachsen sind. Wir spüren seine Gefährlichkeit und ziehen andere Gefahren unbekannter Konsistenz vor. Selbst wenn diese gefunden sind, und sie finden sich immer, haben sie dann erst noch den Glanz des Plötzlichen und Einmaligen für sich. Es würde viel Beschränktheit dazu gehören, diese Abenteuerlichkeit des Geistes zu verdammen, obwohl sie zu weilen offenkundiger Schwäche entspringt. Sie hat zu einer Erweiterung unseres Horizonts geführt, auf die wir stolz sind. Aber die Situation der Menschheit heute, wie wir alle wissen, ist so ernst, dass wir uns dem Allernächsten und Konkretesten zuwenden müssen. Wir ahnen nicht einmal, wieviel Zeit uns geblieben ist, das Peinlichste ins Auge zu fassen, und doch könnte es sehr wohl sein, dass unser Schicksal von bestimmten harten Erkenntnissen, die wir noch nicht haben, abhängig ist.

ELIAS CANETTI Macht und Überleben


Die Reise

Oriol Vall, der sich in einem Krankenhaus in Barcelona um die Neugeborenen kümmert, sagt, die erste menschliche Geste sei die Umarmung. Wenn sie auf die Welt kommen, zu Beginn ihrer Tage, tasten die Säuglinge, als suchten sie jemanden. Andere Ärzte, die sich um die schon Gelebten kümmern, sagen, am Ende ihrer Tage wollen die Alten, wenn sie sterben, die Arme erheben. Und so ist es nun mal, soviel wir auch darüber nachdenken und so viele Worte wir auch darüber verlieren. Darauf läuft ganz einfach alles hinaus: Zwischen zwei Flügelschlägen verläuft, ohne weitere Erklärung, die Reise.

EDUARDO GALEANO Zeit die spricht


Wir lassen nie vom Suchen ab, und doch, am Ende allen unseren Suchens sind wir am Ausgangspunkt zurück und werden diesen Ort zum ersten Mal erfahren.

THOMAS STEARS ELIOT

 .

Artikel dieser Ausgabe
Editorial Heini Staudinger

Ausgabe 47

2 Minuten

Kommentar Moreau

Quo Vadis?

2 Minuten

Kommentar Moreau

Ein Leben für den Irrtum

1 Minute

Kommentar Heini Staudinger

Endlich! Endlich! Rückenwind

3 Minuten

Manifest Brennstoff Redaktion

Maimanifest 2015

2 Minuten

Essai Dr. Wilfried Ehrmann

Quo vadis Gesundheit

3 Minuten

Short Cuts Moreau

Die Wahrheit ist ein pfadloses Land

3 Minuten

Interview Rainer Wisiak

SagMeister

6 Minuten

Buchauszug Martin Buber

Der Weg des Menschen

3 Minuten

Kommentar Ewald Grünzweil

Diese Wirtschaft tötet

3 Minuten

Reportage Heini Staudinger

Afrika – quo vadis?

3 Minuten

Short Cuts Brennstoff Redaktion

Der Fluch des Reichtums

3 Minuten

Kommentar Christian Felber

Ethisch handeln

3 Minuten

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen