Ausgabe 48

BRENNSTOFF 48 | Editorial

Warum? Warum eine Revolution der Zärtlichkeit?

Liebe  Freundinnen, liebe Freunde!

Papst Franziskus sagt es immer wieder: »Diese Wirtschaft tötet.« Sie ist gnadenlos zu den Armen und gnadenlos gegenüber der Natur. Neulich war ich in Laufen in Bayern zu einer Veranstal­tung über gemeinsinniges Wirtschaften eingeladen. Dabei er­fuhr ich, dass neun von zehn Deutschen eine andere Wirtschaft ersehnen. 450 Leute kamen zu dieser Veran­staltung. Hoffnung lag in der Luft. Und doch ist es so: alles wird so bleiben wie es ist, es sei denn, wir (ja, wir! ich meine uns – dich und mich) machen es ab sofort anders.

In seinem TED-Talk (Millionen Menschen sahen dieses Video) sagt der Papst, »ein Einzelner ist genug, damit Hoffnung existieren kann, und dieser Ein­zelne könnten Sie sein!« Mit großem Ernst fordert er Gleichheit, Solidarität und Zärtlichkeit. Ermahnend sagt er: »Helfen wir uns alle dabei, uns zu erinnern, dass der Andere keine Statistik oder eine Nummer ist. Denn: wir alle brauchen einander«. Das Werkzeug, das zu erkennen und umzusetzen ist in uns. Jede/r von uns hat einen Sinn für Gerechtigkeit. Allerdings, wenn wir das Elend, das unser globales Wirtschaftssystem verursacht, nicht sehen (wollen), kann dieses mörderische Unrecht geschehen. Keiner von uns würde es aushalten, den Opfern ins Auge zu blicken, die für unsere Handys sterben müssen (6 Mio. Tote im Osten vom Kongo; siehe Seite 20). Die globale Wirtschaft macht aus Menschen in den armen Ländern Sklaven (10 Cent Stundenlohn). Durch unseren schwachsinnigen Konsum werden wir zu unglücklichen und traurigen Mittätern.

Sobald wir erkennen, dass wir alle durch das Leben, das in jedem von uns fließt, verbunden sind, ändert sich alles. Sobald wir diese Verbundenheit spüren, verspüren wir selbst den Schmerz, wenn Menschen gequält und ausgebeutet werden. In seiner Rede sagt Franziskus, dass »die Solidarität eine freiwillige Reaktion ist, die im Herzen jedes einzelnen entsteht«. Sie ist die Hoffnung der Armen. Che Guevara sagte einst, »Solidarität ist die Zärtlichkeit der Völker«. Ja. Allerdings müssen wir sie ins Rollen bringen. Es wird immer nur dann gelingen, wenn wir (du und ich – wir) sie leben. Wir brauchen diese Revolution der Solidarität. Weg von der Zerstörung. Hin zum Leben. Wir brauchen die Revolution der Zärtlichkeit. Hier und jetzt.

Das meint im Ernst

Heini Staudinger

 

Artikel dieser Ausgabe
Editorial Heini Staudinger

Ausgabe 48

2 Minuten

Buchauszug Gerald Hüther und Christa Spannbauer

Ein Plädoyer der Verbundenheit

3 Minuten

Essai Elisabeth Schrattenholzer

Wir, die Weltbevölkerung

3 Minuten

Essai Fabian Scheidler

Der Stoff, aus dem die Träume sind

4 Minuten

Essai Konstantin Wecker

Revolution der Zärtlichkeit I

5 Minuten

TED-Vortrag Papst Franziskus

Revolution der Zärtlichkeit II

8 Minuten

Buchauszug Harald Welzer und Ilija Trojanow

Jede Menge Handlungsspielräume

2 Minuten

Interview Jean Ziegler und Alexander Behr

Der schmale Grat der Hoffnung

24 Minuten

Essai Ursula Baatz

Die Schatten des Wir

4 Minuten

Buchauszug Johann Wolfgang von Goethe

Nur alle Menschen machen die Menschheit aus

1 Minute

Essai Huhki Henri Quelcun

Gegen die drohende Bytokratie!

7 Minuten

Reportage Heini Staudinger und Sylvia Kislinger

Afrika hat Pech und das Pech hat viele Namen

4 Minuten

Lyrik John Donne

No man is an island

1 Minute

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